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Der Live-Chat zum Thema: «Kummerkasten Lehre» findet am Mittwoch, 12. September, von 11:15 bis 12:30 statt. Ihre Fragen können Sie jetzt schon eingeben.
G.B. Mittwoch, 12.09.2018, 11:32
Unsere Tochter ist in der Schule für Mode und Gestaltung in Olten in der Lehre. Diese Schule wird vom Kanton geführt. Die Lernenden erhalten Aufträge zum Anfertigen von Kleidern. Diese Lernenden erhalten keinen Lohn. Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, mit dem Lohn umzugehen, einzuteilen. Der Beruf gefällt ihr und das ist das Wertvollste. Trotzdem ist kein Lohn zu erhalten sehr unwürdig und fraglich. Ist das erlaubt?
Monika Bitter
Die Ausbildung Ihrer Tochter findet auf schulischem Weg statt, wir kennen dies auch von der Ausbildung zur Grafikerin oder zum Grafiker, wo ebenfalls ein rein schulischer Weg wie auch eine praxisbezogene Ausbildung angeboten wird. Beide aber schliessen mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis ab. In der Konsequenz aber wird kein Lohn ausgerichtet, dies ist auch der Information der Schule zu entnehmen. Sie wird vom Kanton finanziert und ich wünsche Ihrer Tochter, dass sie dennoch vom Angebot dieses Ausbildungsprogramms profiteren kann und wird.
U.H. Mittwoch, 12.09.2018, 11:51
Hallo Frau Bitterli, wie kann man als Vierzigjähriger noch eine neue Berufslehre starten ? Bei meinen Bemühungen zum Beispiel als Drogist eine Lehre zu starten bin ich gegen eine Wand gelaufen. Ähnlich erging es einem etwas jüngeren Kollegen, der Informatiker lernen wollte.
Monika Bitter
Es ist wichtig, dem künftigen Lehrort gut zu vermitteln: auch wenn ich ein gewisses Alter und schon viel Lebenserfahrung habe, ich lasse mir als lernende Person auch von einem, einer jüngeren Vorgesetzten etwas sagen- denn das ist gerne mit Ängsten verbunden oder mit ein Grund einer Ablehnung. Es sind noch viele Bemühungen nötig, dass das lebenslange Lernen etabliert wird in unserer Gesellschaft und dass zB. Menschen durchaus auch mit vierzig Jahren noch eine Lehre absolvieren können. (Und es gibt schon einige tolle Beispiele). Können Sie sich vorstellen, dass Sie in einer Drogerie vorbei gehen und die Frage stellen: "Kann ich in einer Schnupperlehre zeigen, dass dieser Beruf genau meinen Interessen entspricht und ich gerne Teil ihres Teams wäre"? Eine Anfrage zum Thema beim Drogistenverband kann ebenfalls weiter helfen. Vielleicht liesse sich auch in einer Laufbahnberatung klären, welche Alternativen gäbe es noch zum Wunschberuf. Als Informatiker gibt es die Möglichkeit, einen Quereinsteiger-Ausbildungslehrgang zu besuchen, der mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis abgeschlossen wird. In den Infozentren der Berufsberatung Ihres Kantons werden Sie fündig.
T.A. Mittwoch, 12.09.2018, 12:14
Was sind ihrer Meinung nach die grössten Problemen von Lehrenden und was könnte die Politik dagegen unternehmen?
Monika Bitter
Ich bin unsicher, was genau Sie meinen: wenn Sie die Lehrenden meinen, also Berufsbildungspersonen oder Berufsschullehrpersonen, dann höre ich meistens, dass Fleiss, sowohl im Praktischen wie im Schulischen, Anstand, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen genannt und beklagt werden. Tugenden, die schon früh geprägt werden. Wir Erwachsenen sind hier gefordert, weiterhin Vorbildfunktionen wahrzunehmen. Lernende hingegen beklagen, dass sie nicht immer spüren, dass sie eine Bedeutung in der Firma, im Betrieb haben, nicht immer spüren, dass ihre Mitarbeit geschätzt wird. Manchmal braucht es nur kleine Zeichen, eine Geste, oder gute Feedbackkultur. Weiter wird manchmal unterschätzt, dass der Besuch der Berufsfachschule Anforderung an die Lernenden stellt, neue, berufsbezogene Fächer müssen gelernt werden, und da ist das Individuum gefragt: Ist dem Lernenden bewusst, dass er auch im schulischen Bereich Zeit investieren muss, damit er oder sie erfolgreich die Ausbildung abschliessen kann?
E.K. Mittwoch, 12.09.2018, 12:35
Guten Tag Frau Bitter, unser Sohn hat einen leichten Authismus. Wie können wir ihn am besten bei Bewerbungen der Berufswahl unterstützen? Es geht darum, dass er manchmal Schwierigkeiten hat, sich sprachlich zu äussern. Oder es gibt auch gerne Missverständnisse, da die Leute oft denken, er interessiere sich nicht, da man seine Mimik nicht gut "lesen" kann. Was raten Sie uns? Freundliche Grüsse.
Monika Bitter
Hat Ihr Sohn schon geschnuppert? Kennen Sie die Schnupperlehrberurteilungsbogen, die die Jugendlichen am Ende ihrer Schnupperlehre am Ort ausfüllen lassen können? (Gibt es in den Infozentren Ihres Kantons). Das kann bereits als kleine Referenz gedeutet werden. Den Einstieg erleichtern, Neugier wecken: diese junge Person lernen wir gerne kennen und laden sie ein. Ich bin sicher, Ihr Sohn hat viele Kompetenzen, Sprache ist das Eine, aber seine anderen Fähigkeiten sollen unbedingt wirken dürfen. Meiner Meinung nach kommt es gut an, mit "offenen Karten" zu spielen. Nicht aber im Sinne von: das kann ich nicht so gut, sondern in der Bewerbung schreiben, neben den Fähigkeiten xy, fällt es mir manchmal eher schwer, mich gut auszudrücken.