Chat-Admin
Der Chat ist offen. Stellen Sie Ihre Frage(n) zu psychischen Problemen in Familie oder Umfeld!
P.W. Donnerstag, 10.10.2019, 11:14
Sind Depressionen auch eine Art Zivilisationskrankheit ? Mein Götti schaffte Ende der 80 er Jahre die Umstellung der Einführung des PC an seinem Arbeitsplatz nicht. Wurde dann wegen Depression krank geschrieben und starb kurze Zeit später an einem Antidepressiva welches er nicht vertragen hatte.
Thomas Ihde
Depressionen sind ein weltweites Phänomen und entgegen der landläufigen Meinung sind sie nicht bei uns am häufigsten, sondern in Ländern wie Uganda. Es tut mir leid zu lesen, dass Ihr Götti erkrankte und auch verstarb.
J.S. Donnerstag, 10.10.2019, 11:15
Was denken Sie, ist der wichtigste Schritt, um Psychotherapie genauso zugänglich zu gestalten (auch bezüglich Kosten) sowie es heute beim Hausarztbesuch ist? (Es gibt die delegierte Psychotherapie, trotzdem gibt es aber noch einen Selbstbehalt zu bezahlen).
Thomas Ihde
Als Pro Mente Sana setzen wir uns dafür ein, dass der Zugang so einfach wie möglich wird. Ideal wäre ein direkter Zugang über die Grundversicherung.
P.K. Donnerstag, 10.10.2019, 11:16
Ich hatte im Mai 2018 eine psychische Erkrankung,und war 5 Wochen in der Klinik.Ich nehme seit der Zeit bis jetzt noch diverse Medikamente,seit anfang 2019 nur noch 30 er Myrtazapin und 2 pflanzliche Präparate,dass ich gut einschlafen und durchschlafen kann.Ich möchte diese nun ausschleifen,habe aber immer noch hie und da morgens leichte psych.Verstimmung,die mit Bewegung sofort wegbringe. Darf ich daran gehen,dies zu machen ohne Rückfallgefahr.ev mit Hanftee oder was?
Thomas Ihde
Wichtig beim Ausschleichen scheint zu sein, dass es so langsam wie möglich gemacht wird, also nicht innerhalb von 2 Wochen, sondern eher vier Monaten und natürlich in Absprache mit Ihren Behandlern. Der Entscheid ist aber klar Ihrer.
L.H. Donnerstag, 10.10.2019, 11:19
Wie und wo können die Angehörigen der betroffenen Person Unterstützung finden, wenn die betroffene Person sich nicht mit Medikamenten oder einer psychiatrischen Behandlung unterziehen will. Es ist sehr belastend wenn die Depression kommt und der andere von einem die Hilfe erwartet weil er keine ärztliche Behandlung will.
Thomas Ihde
Viele Institutionen haben heute Angebote für Angehörige. Beraten kann aber vor allem auch das Beratungstelefon der Pro Mente Sana (0848 800 858 oder auch per Mail). Sie wissen, was helfen könnte und wo es welche Hilfe gibt.
A.G. Donnerstag, 10.10.2019, 11:24
Wir sind seit 10 Jahren verheiratet+haben 9jährige Zwillinge.Meine Frau hat grosse psychische Probleme,will es aber nicht wahrhaben+macht unser Leben zur Hölle.Sie behauptet, alle anderen drumherum haben psych.Probleme,nur sie nicht.Sie schreit uns alle an,kann aber gegenüber anderen so tun,als sei alles in bester Ordnung.Sie hat 2 Gesichter. Möchte ihr helfen,aber sie lässt sich nicht helfen. Sie schickt sogar unsere Mädels zum Psychiater,aber Hilfe für sich will sie nicht.Was kann ich tun?
Thomas Ihde
Es ist leider immer am Schwierigsten, wenn eine betroffene Person entweder die psychische Krankheit nicht wahrnimmt oder es so Angst macht, dass die betroffene Person es nicht wahrnehmen will. Ich würde den Kontakt zum Hausarzt aufnehmen, falls er eine Vertrauensperson ist. Vielleicht kann er auch eine Psychiatriespitex verordnen, die zu Hause vorbei kommt und schauen kann, wie es der ganzen Familie geht. Ansonsten würde ich mich an eine Angehörigenberatungsstelle (s.letzter Chat) wenden, die sie auf diesem schwierigen weg begleiten können.
A.J. Donnerstag, 10.10.2019, 11:26
Wir sind eine Familie (ich 52, Frau 49) mit Kinder 18, und 16. Grundsätzlich sind wir eine intakte Familie. Doch seit längerer Zeit (4-5 Jahr) bekommt meine Frau immer stärker werdende Schübe an Minderwertigkeitskomplexe. Diese können sehr heftig werden und sie steht weinend im Raum und schreit alte, zum teil 10-20 Jahre alte Geschichten aus sich herraus, die sie wohl über Jahre sehr belastet haben. Ich kann sie dabei fast nicht in die Arme nehmen. Sie leidet auch unter grossem Neid. Was tun?
Thomas Ihde
Ich würde ihr rückmelden, dass Sie eine Veränderung in ihr wahrnehmen, die sie sich nicht erklären können, eben den gesunkenen Selbstwert und sie darum bitten, dass sie zu einem gemeinsamen Gespräch bei der Hausärztin oder einer Therapeutin mitkommt.
K.S. Donnerstag, 10.10.2019, 11:28
Ist Schizophrenie heilbar? Unser Sohn ist seit 2003 krank
Thomas Ihde
Die Verläufe sind bei allen psychischen Erkrankungen sehr unterschiedlich, mehr als bei den körperlichen. Eine Gesundung ist möglich, aber halt auch ein sehr langwieriger, zäher Verlauf. Wichtig ist hier aber weniger die Symptomfreiheit, sondern das Mass der Lebensqualität. Es gibt Menschen, die Stimmen hören, aber trotzdem eine Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen können oder eine Freizeitaktivität als erfüllend erleben können.
M.G. Donnerstag, 10.10.2019, 11:33
Meine Mutter litt bereits unter Depressionen. Nun taucht diese Krankheit auch bei meinem Bruder auf. Er hat sich zwar Psychische Hilfe geholt, diese aber wieder abgebrochen, eine positive Änderung konnte ich jedoch nicht beobachten. Ich mache mir Sorgen um ihn. Da es auch schwer ist über dieses Thema zu reden, kann man kein Gespräch mit ihm aufzubauen. Meine Frage ist, muss man dies einfach akzeptieren oder gibt es eine andere Lösung, ohne seine Nächsten vor den Kopf zu stoss
Thomas Ihde
Man muss hier oft mehrmals anklopfen. Oft passt der erste Behandler auf eine Art und Weise nicht zur Person, also ihrem Bruder, oder die Behandlung schlägt nicht an. Oder es braucht eben auch mehrere Gesprächsanläufe von Ihrerer Seite her im Sinne von "Du wirkst immer noch so traurig, ich hoffe dass du eine gute Hilfe für Dich und Deine Depression findest. Kann ich dir irgendwie helfen?". Oft läuft so ein Gespräch fast besser ohne Augenkontakt, zum Beispiel beim Autofahren oder auf einem Spaziergang. Vielleicht ist der Schritt einfacher, wenn Sie ihm anbieten, ihn zu einer Beratung zu begleiten.
E.B. Donnerstag, 10.10.2019, 11:35
Wie ist der Unterschie zwischen Depression un manisch-depressiver Störung (Bipolarität)
Thomas Ihde
Der Unterschied sind manische Phasen, also Phasen wo man sich initial sogar viel besser als sonst fühlt, kreativ ist und sehr schnell denken kann. Mit der Zeit schwindet dann das Schlafbedürfnis, bis man gar nicht mehr schläft und dies über Wochen. Dann wird das Denken so schnell, dass niemand Aussenstehendes die Person mehr versteht und das Denken auch wirr wird.
V.H. Donnerstag, 10.10.2019, 11:36
Der Sohn meines Lebenspartners ist seit bald einem Jahr betroffen.Die Hausärztin hat ihn zum Psychiater verwiesen. Heute hat er die 2. Sitzung.Thomas (Sohn) spricht nicht darüber. Die Hausärztin gibt keinen Bescheid an den Vater. Wir wissen nicht, ob der Arbeitgeber die Krankheit bemerkt und wie er sich verhält bei der Arbeit (Informatik).Vater und Sohn wohnen im Haus zusammen in getrennten Wohnungen.Wir wissen nicht wie damit umgehen. Gespräche sind nicht möglich
Thomas Ihde
Ich würde dies für ein paar Sitzungen akzeptieren, aber dann braucht es einen Austausch entweder bei der Hausärztin oder dem Psychiater. Psychische Belastungen betreffen immer auch das Umfeld mit.
L.H. Donnerstag, 10.10.2019, 11:39
Wo und Wie holen sich die Angehörigen Unterstützung wenn der Psychisch kranke sich nicht helfen lassen will.
Thomas Ihde
Ich würde mich an das Beratungstelefon der Pro Mente Sana wenden (0848 800 858), sie wissen, was es wo an Ressourcen gibt für Sie als Angehörige, aber auch die schwierige Situation die Betroffenen.
A.m. Donnerstag, 10.10.2019, 11:41
Wie finde ich einen guten psychologen oder psychiater. Leider wurde ich von der psychiatrischen klinik nach einem aufenthalt total im stich gelassen. Eine liste mit aerzten wurde mir in die hände gedrückt....
Thomas Ihde
Das ist leider nicht so einfach. Sucht man den besten Zahnarzt am neuen Wohnort, fragt man Bekannte, Nachbarn oder auch die Bürokolleginnen, das getrauen sich die meisten noch nicht beim Thema der psychischen Gesundheit. Das beste wäre aber schon eine Empefhlung vielleicht von jemandem den Sie in der Klinik kennengelernt haben. Auch Hausärzte kennen sich oft aus und wissen wer was anbietet oder wen sie besonders schätzen.
R.H. Donnerstag, 10.10.2019, 11:44
Wir haben eine Tochter, Single, 38 Jahre alt, welche eine 4jährige Beziehung zu einem bedeutend äteren Mann hatte, welcher ihr aber das was sie gerne wollte, nicht geben wollte (konnte). Sie ist nun seit ca. 4 Jahren Single und wünscht sich einen Partner mit Familie. Kürzlich hatte ich mit ihr eine Diskussion, weil ich festgestellt habe, dass sie sich zurückzieht, wenn wir z.B. eine Familienfeier haben, an der alle mit Partner/Kindern kommen. Sie sagte mir, dass das für sie schwierig sei.
Thomas Ihde
Das wichtigste machen Sie schon, sie nämlich darauf ansprechen und ihr auch den Rücken zu stärken, dass sie sich in keiner Art und Weise zurückziehen oder gar schämen müsste.
E.H. Donnerstag, 10.10.2019, 11:47
Wann merkt man, dass man psychisch krank ist? Wann sollte man externe Hilfe holen? Ist es möglich, dass 9 Jahre nach einer Krise (einem Trauma) eine psychische Erkrankung langsam Einzug hält, Aüngste grösser werden durch das nicht loslassen können der damaligen Krise (des damaligen Vorfalls?
Thomas Ihde
Psychische Erkrankungen sind sehr häufig, können wirklich jeden treffen und auch mit oder ohne Auslöser. Da das Thema immer noch schambesetzt ist, warten die meisten zu lang. Ich würde mich von einer Fachperson beraten lassen. Wenn ja dann keine psychische Erkrankung vorliegt, ist es einfach ein Gesundheitscoaching.
B.S. Donnerstag, 10.10.2019, 11:50
Wer unterstützt uns als Eltern eines 23jährigen, welcher seit 5 Jahren daheim vegetiert und KESB unsere Gefährdungsmeldung nicht ernst nimmt?
Thomas Ihde
Das tönt leider schwierig. Ich würde mich von einer Angehörigenberatungsstelle begleiten lassen, weil die Situation belastend und auch schwierig ist. Der städtische psychiatrische Dienst Zürich ist daran ein Angebot aufzubauen für solche Situationen (Open Dialogue nennt sich dies), wo man Familien aufsuchend begleitet, unabhängig davon ob die Betroffenen Hilfe möchte oder nicht. Und bei der KESB einfach dranbleiben wie ein Sprung in der Schallplatte.
M.F. Donnerstag, 10.10.2019, 11:52
Guten Tag, Sie haben gesagt, dass unterstützende Nächste aufpassen müssen, nicht zusätzlich Druck auszuüben und die depressiven Muster zu verfestigen. Auf was gilt es als Angehörige zu achten? Wie kann man dennoch "gesunde Sorge" als nahe Angehörige zeigen? Merci.
Thomas Ihde
Einfach da sein, mit Präsenz und ohne grosse Erwartungen. In der Depression wird man sehr einsam und braucht einfach das Gefühl dass jemand da ist. Grass wächst nicht schneller wenn man daran zieht. Zudem sind ja für alles andere die Fachpersonen verantwortlich.
R.N. Donnerstag, 10.10.2019, 11:53
Ich komme aus einer zerrütteten Familie. Scheidung der Eltern in der Kindheit. Schwester mit 17 Jahren in einer Klinik. Mutter leicht debil und nimmt regelmässig seit mehreren Jahrzehnten Psychopharmaka. nun im Altersheim, zwischendurch Depressionen. Ich voll berufstätig aber auch seit Jahren Psychopharmaka. Bin nun 63 Jahre alt mit Familie und grossen Kindern. Wie hoch ist meine Wahrscheinlichkeit dass ich und meine Kinder ebenfalls psychisch schwer erkranken? XY aus der Schweiz.
Thomas Ihde
Psychische Belastungen haben eine genetische Kompente, sie ist aber vergleichsweise gering, zumal psychische Erkrankungen einfach auch sehr häufig sind.Wir sind alle ein Stückweit gefährdet und müssen auf unsere psychische Gesundheit achten.
R.W. Donnerstag, 10.10.2019, 11:56
Meine Tochter (19j.) hat seit sie 5 ist depressive Verstimmungen, inzwischen eine mittelschwere Depression. (Lustlosigkeit, keine Freude an gar nichts, Gefühl von Traurigkeit das sie nicht einordnen kann) Sie geht seit einem Jahr in eine Therapie. Hatte in dieser Zeit schon zwei Therapeutenwechsel. 1x aufgrund Wohnortswechsel. Sie hat schon 4 verschiedene Medikamente verschrieben bekommen, aber nichts hat geholfen. Wäre ein stationärer Aufenthalt vorzuziehen?
Thomas Ihde
Das ist schwierig zu beantworten. Wie gut aufgehoben und verstanden hat sie sich gefühlt? Haben die Behandler ihr eine nachvollziehbare Einschätzung der Situation gegeben? Und haben die Behandler ihr auch einen "Blumenstrauss" mitgegeben mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten inkl. Kliniken mit Spezialstationen?
A.S. Donnerstag, 10.10.2019, 11:58
Sie sprachen heute nur über Depression. Wie steht es mit der Schizophrenie. Diese Krankheit ist eben so schlimm und kaum behandelbar. Was machen als Angehöriger?
Thomas Ihde
Das ist so und war der Wunsch des Radios :-) Vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal mit dem Thema "Angehörige von Menschen mit einer Schizophrenie". Einzelne Themen sind nämlich gleich, andere aber schon sehr anders. Und ja, die Belastung für Angehörige ist oft sehr hoch und schwierig.
D.T. Donnerstag, 10.10.2019, 12:02
Guten Tag, Meine Frage ist, wie kann ich meinem Partner am besten sagen, dass er ev. Depressionen hat? Er ist sehr hart mit sich selber und ich glaube kaum, dass er das zulässt, sich zu öffnen. Depression gilt bei ihm als Schwäche, er selber kann das nicht begreifen,dass es jemandem schlecht gehen kann, obwohl er ja alles hat. Seine negative Laune zieht mich oft runter und die psychische Distanz macht mich sehr traurig. Wir wohnen zusammen und doch sind wir sehr weit auseinander.. Kaum spürbare Nähe. Ich liebe ihn sehr, das ist noch der einzige Grund, warum ich bei ihm bin. Mehrfach habe ich ihm versucht zu sagen, was mir fehlt von ihm. Es ändert nicht viel oder nur kurze Zeit. Muss ich wirklich ausziehen, damit er mich nicht auch wieder in eine Depression zieht? Ich hatte selber schon mehrfach damit zu kämpfen und weiss, wie es ist. Zudem Hochsensibel nehme ich jede Regung von ihm wahr.
Thomas Ihde
Ich würde ihm nochmals beschreiben, welche Veränderungen Sie an ihm wahrnehmen und was sie sich für ihn und ihre Beziehung wünschen und was es wohl dazu braucht. Vielleicht sogar als Brief. Vielleicht gibt es bekannte Personen, zu denen er einen Bezug hat. Männer sind oft "beeindruckt", dass der italienische Nationalgoalie Buffon an einer Depression erkrankt war und darüber spricht. Das kann Mut machen und auch Vorurteile in Frage stellen.
A.L. Donnerstag, 10.10.2019, 12:04
Wie kann man Jemanden dazu bringen, zum Psychiater / Psychologe zu gehen nach einem schweren Trauma?
Thomas Ihde
Einfach wie einen Sprung in der Platte immer wieder darauf hinweisen. "Ich merke einfach immer wieder, wie sehr du noch leidest, dies tut mir weh. Ich wünschte mir, du würdest Hilfe finden. Kann ich Dir helfen? Vielleicht mit zu einem ersten Termin bei einer Therapeutin kommen?"
M.H. Donnerstag, 10.10.2019, 12:05
Wann ist eine Unterbringung auf einer Akutstation angebracht?
Thomas Ihde
Wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten nicht greifen oder eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, die ambulant nicht behandelt werden kann.
A.Z. Donnerstag, 10.10.2019, 12:09
Mein Ehemann leidet an einem komplexen Psychotrauma, woraus sich aus verschiedenen Gründen, so was wie eine "Phobie" gegen meine Person entwickelt hat. Er und unser Umfeld will dies aber nicht (an-) erkennen. Aber die Folge aus dieser Situation ist, dass er eigentlich schon über die Jahre, so was wie psychische Gewalt gegen mich ausübt. Was empfehlen Sie mir, ich liebe meinen Mann & will nicht scheiden? Ich bin in der Zwischenzeit schon froh, dassich einenNamen für diesesVerhalten gefundenhabe.
Thomas Ihde
Ich würde mir einerseits selbst Hilfe holen, weil die Sitaution sehr belastend ist und es um Gewalt geht. Dann können Sie auch mit der Therapeutin gemeinsam überlegen, wie man die Situation verbessern könnte. Verständnis ist wichtig, aber Ihr Mann hat auch Pflichten und das kann auch heissen, gemeinsam einmalig sich beraten lassen, was allen helfen könnte in dieser Situation.
S.G. Donnerstag, 10.10.2019, 12:11
Eltern von einem 23Jährigen Sohn. Wir konnten mit Ihm nicht reden, keine Antwort auf Persönliche fragen, es kam so weit das er 3Tage ohne sich zu melden verschwand. Anschliessend brachte ich Ihn so weit das wir zum Arzt gingen der Ihm eine Therapie anordnete. Meine Frage als Eltern möchten wir Ihm helfen und verstehen. Was passiert in einem psychisch kranken Menschen? und wie kann man helfen wen er nicht über das sprechen kann.Mit freundlichen Grüssen
Thomas Ihde
Psychische Erkrankungen sind leider so unterschiedlich, dass ich die Frage nur zu ungenügend beantworten kann. Rückzug kann durch eine Depression entstehen, durch Scham oder auch aus Angst. Gab es in der therapie auch ein gemeinsames Gespräch? Das wäre sehr wichtig.
A.B. Donnerstag, 10.10.2019, 12:14
Was kann man machen, wenn man eine Phobie für Psychologen und Psychiater hat?
Thomas Ihde
Die Psychiatriespitex kann heute auch gut helfen und die Behandlungssituation ist sehr anders, da sie die Spitex zu Hause treffen oder vielleicht zusammen spazieren gehen. Peers können ein gutes sehr anderes Hilfsangebot sein. Peers kennen selbst psychische Belastung und haben in einer Ausbildung gelernt, andere Betroffenen zu unterstützen - eine tolle Sache. Peers halfen vielen Menschen, die es mit mir als Psychiater eher schwierig hatten. Mehr dazu finden Sie auf der Webseite der Pro Mente Sana oder den psychiatrischen Diensten vor Ort.
E.H. Donnerstag, 10.10.2019, 12:16
Ich habe Angst psychisch zu erkranken, da ich seit 8 Jahren meine Krise nicht überwunden habe, den damaligen Arbeitsort noch immer nicht loslassen kann und mein Gefühl ist, dort als Schulleiterin nach 8 Jahren versagt zu haben. Meine Arbeitsmotivation ist seit 8 Jahren nicht mehr die gleiche wie in den ersten 17 Jahren. Nun habe ich 2 Kinder (8und10) und eine neue Schulleiterin die mich mobbt. Ich habe eine tolle Familie (Kinder und Mann) die mir Halt gibt. Wann und wo soll ich mir Hilfe holen?
Thomas Ihde
Wir warten alle eher zu lange, bis wir uns Hilfe holen. Ihre Situation tönt nach einer Mehrfachbelastung. Die Pro Mente Sana (0848 800 858) kann beraten, wo es welche Hilfe gibt oder Hausärzte kennen sich oft auch aus.
M.F. Donnerstag, 10.10.2019, 12:26
Meine Partnerin, leidet seit der Kindheit unter dem Missbrauch ihres Vaters. Das Problem ist nun, dass Sie ein extrem tiefes Selbstbewusstsein hat und niemandem vertraut. Aus Angst sich irgendjemandem zu öffnen, findet sie auch keine Hilfe. Sie hat sich angeeignet sich nichts anmerken zu lassen, was es sehr schwierig macht im ersten Moment zu erkennen, dass etwas nicht stimmen könnte...
Thomas Ihde
Auch hier könnte ein Peerkontakt sehr hilfreich sein, also Kontakt zu einer Person, die selbst psychische Belastungen kennt. Scham rund um eine psychische Belastung steht leider immer noch sehr im Weg zur Hilfe und im Kontakt mit Peers ist diese Selbstscham wie ausgeschaltet.
Y.B. Donnerstag, 10.10.2019, 12:29
Weshalb neigen junge Väter dazu, nicht über ihre Probleme zu sprechen? Probleme, welche durch die eigenen Kinder entstehen, die Beziehung strapazieren und schlussendlich den Mann in eine psychisch instabile Lage bringen. Aus meiner Erfahrung öffnen sich Väter nicht gegenüber ihren Freunden, und wenn, dann ist es meist bereits zu spät, um als Freund helfen zu können.
Thomas Ihde
Dem ist leider so. In England gibt es eine spezifische Kampagne die sich an Männer und eben gerade auch junge Väter richet ("in your corner, mate" - im Sinne von "der Ball ist in deinem Spielfeld"). Dort werden junge Männer animiert, ihre besten Kollegen anzusprechen, wenn sie etwas wahrnehmen. Dass eine psychische Belastung sich auf das Elternsein auswirken kann, ist aber für alle jungen Eltern sehr schambesetzt - Väter und Mütter.
Chat-Admin
Der Live-Chat mit Thomas Ihde ist beendet. Danke für die interessanten Fragen! Leider war es nicht möglich, in der zur Verfügung stehenden Zeit alle zu beantworten. Den «Treffpunkt» zum Nachhören finden Sie hier: https://www.srf.ch/sendungen/treffpunkt/psychische-gesundheit-das-umfeld-leidet-mit