J. P. 21.01.2019 21:19:49
Hallo. Ich bin spielsüchtig. Ich habe das neue Geldspielgesetzt befürwortet. Leider kann man immer noch in zig Online Casinos sein Geld verspielen. Ich habe so seit 01.01.2019 mehrere tausend Franken verspielt. Wieso sind die online Casinos immer noch frei zugänglich?
Till Siegrist
Sich einzugestehen, dass Sie eine Spielsucht haben, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Sucht. Die Web-Sperre durch das neue Geldspielgesetz wird voraussichtlich Mitte 2019 umgesetzt. Einige Anbieter akzeptieren bereits keine Spieler aus der Schweiz mehr. Eine Web-Sperre der Casino-Anbieter ist ein Teil, die Spielsucht zu bekämpfen. Zudem können Beratungen (z.B. auf www.sos-spielsucht.ch) und Blocking-Apps helfen.
W. K. . 21.01.2019 21:24:25
Gruezi, mein Sohn ist 30 jahre alt geworden und hat eine versteckte Spielsucht, dass heisst er gibt es nicht zu. Auch hat er dadurch Schulden! Wie kann man ihn dazu bewegen, das er Hilfe braucht und einer seriösen Schuldensanierung offen gegenüber steht?
Hanspeter Stocker
Sie vermuten bei Ihrem Sohn ein mögliches Spielsuchtproblem mit Schulden als Folge davon. Dass Sie von einer Spielsucht ausgehen, so nehme ich an, geht wohl daraus hervor, dass Sie ihn gut kennen und die Problematik nicht zum ersten Mal auftaucht. Ihr Sohn ist womöglich sehr beschämt über dieses Verhalten und möchte Sie als Eltern nicht enttäuschen. Teilen Sie ihm mit, dass Sie sehr besorgt sind und sich als Angehörige an eine Fachstelle wenden, weil Sie nicht mehr wissen, wie Sie damit umgehen sollen. Sie können Ihrem Sohn anschliessend über Ihre Erfahrungen berichten und die Fachstelle empfehlen. Auf www.SOS-Spielsucht finden Sie in jedem Kanton die entsprechende Beratungsstelle
L. Z. 21.01.2019 21:25:56
Wenn ich am Tag 3 Stunden online verbringe, bin ich dann süchtig?
Rebecca Dittmann
Das kann man so nicht sagen. Entscheidend ist, ob Sie neben Ihrem Online-Verhalten trotzdem Ihrer Arbeit/Ausbildung, Ihren Pflichten und Hobbys nachgehen oder ob Sie wegen des Online-Konsums irgendetwas vernachlässigen. Auch entscheidend ist, ob Sie Ihr Online-Verhalten kontrollieren können, sprich sich an eigene Regeln halten und abschalten können, wenn es nötig ist. Sie können sich auch selber mal testen und schauen, wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie mal einen Tag gar nicht online sind (denken Sie dann ständig dran? Sind Sie dann unruhig oder angespannt? Oder können Sie das auch mal geniessen?). Beim Online-Konsum unterscheiden wir zwischen Glücksspielprodukten und anderen (Online-Games, Kaufen, Streamen, Surfen, social media etc.). Im Bereich Glücksspielsucht gibt es auf der Seite www.sos-spielsucht.ch einen Selbsttest.
M. l. 21.01.2019 21:48:05
Guten Abend, Gemäß einer neuen Studie aus Frankreich von Mitte 2018 würde festgestellt, dass über 50% der Patienten, welche mit Dopaminagonisten behandelt werden eine Impulskontrollstörung wie die Spielsucht entwickeln. Was sagen Sie dazu? Ist so ein Medikament nicht fahrlässig?
Till Siegrist
Da durch gewisse Anti-Depressionsmedikamente die Impulsivitäts-Hemmung unterdrückt wird, kann eine Spielsucht gefördert werden. Diese Studie aus Frankreich ist mir nicht bekannt. Es gibt jedoch Studien zur Wirkung des Medikaments "Abilify" auf die Spielsucht, wo mehrmals ein Zusammenhang nachgewiesen werden konnte.
Moderator
Der Experten-Chat ist beendet. Mehr Informationen zum Thema Spielsucht finden Sie auf https://www.srf.ch/sendungen/puls/spielsucht-mit-gesetzen-und-verordnungen-kaum-zu-stoppen